Fürchten wir das Beste – Neujahrskonzert im Löwen

von | Feb. 11, 2026 | Allgemein

Unter diesem Motto läuteten die Sopranistin Karolin Trübenbach und der Pianist Michael Rayher das Jahr 2026 musikalisch ein.

Die bissigen, ironischen Lieder Georg Kreislers voll schwarzen Humors verteilten sich auf das gesamte Programm. Ein buntes Panoptikum skurriler Figuren erschien, die sich die Klinke in die Hand gaben: Politiker*innen aller Farben, Deutsche, Damen, Soldaten, Priester, Industrielle, Despoten, männermordende Frauen, Zirkustiere, Verliebte, Entliebte, Barbara, um nur einige zu erwähnen. Nicht nur schwarzes Bitterböses kannte Kreisler: Karolin Trübenbach gab mit Wiener Schmäh die Dame mit Hütchen und Täschchen, darin den Hund, um den sie sich sorgte („Mir wär´ der Krieg ja egal, aber was g`schieht dann mit mei´m Hund?“)

Die Stücke von Kurt Weill mit Texten von Bertolt Brecht durchbrachen manche liebgewonnenen Hörgewohnheiten. Karolin Trübenbach ordnete in ihren Moderationen die Stücke in die Zeitgeschichte ein: Die Oper „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ ist inspiriert von Kritik an Kapitalismus und Konsumsucht in der Weimarer Republik. Die Stadt ist besiedelt von zwielichtigen Gestalten. „Wie man sich bettet, so liegt man“, so die zynische Aussage, und über Allem scheint der Mond von „Alabama“.Karolin Trübenbach performte mit so viel gefühlvollem Ausdruck, dass man sich mittenmang fühlte. Michael Rayher als kongenialer Begleiter am Klavier und teilweise mit Gesang, stand ihr dabei in Nichts nach.

Vor der Pause sorgte Michael Rayher mit eigenen wunderbaren Kompositionen, gesetzt in romantischen und jazzigen Tönen, für einen ganz besonderen Moment. Als Vorlage dienten Texte von Friedrich Hölderlin. Die Stimme der Sängerin changierte im zauberhaft Dunklen und Sehnsuchtsvollen. Was mag Hölderlin bewegt haben, im Brief an den Freund, „An Neuffer“, „Die Heimat“, „Andenken“?

Damit war das Publikum in die Pause entlassen. Bei kulinarischen Leckereien und kühlen Getränken, angeboten vom Chor Leo Cantabile, war Gelegenheit, angeregt zu plaudern.

Michael Rayher eröffnete nach der Pause mit einem humorvollen Gedicht von Robert Gernhardt. Der zweite Block mit Stücken Kurt Weills entführte das Publikum in die Dreigroschenoper. Die „Seeräuber-Jenny“ in Küchenschürze polierte Weingläser und sezierte auf Sächsisch die Gesellschaft in der Stadt. Eiskalt fällte sie ihr Urteil, wer hängen sollte: „Alle“. Als die Köpfe rollten, lakonisch: „Hoppla.“ Karolin Trübenbach performte so ausdrucksvoll, dass bestimmt manch einer im Publikum eine Gänsehaut bekam.

Ganz anders die widerstrebenden Gefühle im Song „Surabaya Johnny“. Die Frau, die Johnny so stark liebte, ahnte dennoch, dass er sie verlassen würde, Ein starker Auftritt Karolin Trübenbachs!

Das Duo stellte sein stimmliches, darstellerisches, sprachliches und humoristisches Talent beim letzten Stück „Stägeli uff, Stägeli ab“ aus der Schweiz erneut unter Beweis. Gejodelt wurde nicht, dafür klatschte das Publikum mit. Juchhe!

Die Beiden bedankten sich beim aufmerksamen Publikum mit der Zugabe „Der Weihnachtsmann auf der Reeperbahn.“ Michael Rayher wechselte bei seiner Moderation ins Norddeutsche und die Sängerin schlüpfte in die Rolle einer Hamburger Deern.

Der Löwensaal bot schöne Voraussetzungen für einen direkten Kontakt zwischen Künstlern und Publikum durch sein klassisches und doch heimeliges Ambiente.

Danke den Mitgliedern des Chores Leo Cantabile für ihren Einsatz!

Danke dem Publikum für sein Kommen und seine Aufmerksamkeit!

Und natürlich:

Danke, Karolin und Michael, für dieses musikalische Erlebnis! (S.W.)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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